Mikro-Influencer*innen für NGOs

Henning von w21k und Hannah von ACB zu Gast bei Mein Grundeinkommen

Im Rahmen der Erstauflage des Stammtisches für die gute Sache! haben wir mit Verteter*innen verschiedener NGOs, Vereine und Initiativen darüber diskutiert, wie Mikro-Influencer*innen für die politische Kommunikation genutzt werden können. Das Format organisieren wir gemeinsam mit unseren Freund*innen von allcodesarebeautiful und das wunderbare Team von Mein Grundeinkommen hat uns seine Räumlichkeiten für das Event zur Verfügung gestellt.

Wir haben die Diskussion über das Thema mit einem kurzen Input eröffnet. Die aus unserer Sicht grundlegenden Überlegungen zum Einsatz von Mikro-Influencer*innen für den Einsatz für die gute Sache möchten wir euch hier kurz erläutern.

Werbestars mit eigenen Kanälen

Das Prinzip, dass Promis für Produkte oder Anliegen werben, kennen wir - bspw. aus TV-Spots - schon lange. Das Besondere an Influencer*innen ist jedoch, dass sie nicht nur ihr Gesicht hergeben, sondern auch gleich einen eigenen Kanal zur Verfügung stellen. YouTube-Stars wie Bibi, Dagi Bee oder LeFloid erreichen Millionen Menschen. Das sind Menschen, die häufig kein Fernsehen mehr gucken und demzufolge vorwiegend auf YouTube und Instagram zu erreichen sind. Allerdings lassen sich diese Stars - zumindest bei kommerziellen Zwecken - für ihre Empfehlungen reichlich entlohnen. Non-Profits haben zwar eine Chance, dass für den guten Zweck auch mal ein Projekt ohne Bezahlung unterstützt wird, aber es ist schwierig an die ganz Großen ranzukommen. Der Kontakt funktioniert nur noch über Agenturen, die in erster Linie ein Vermarktungsziel verfolgen.

Tausend × Tausend ist auch 1 Million

Mikro-Influencer*innen sind nicht hauptberuflich Influencer*innen. Sie haben eine Reichweite von Tausend bis Hunderttausend Followern. Dadurch bieten Sie aber auch einen entscheidenden Vorteil: Sie werden nicht als Werbestars wahrgenommen, sondern als Bekannte. Durch diesen persönlicheren Kontakt zu ihren Followern können sie euren Themen und Kampagnenbotschaften einen Vertrauensvorschuss bei Leuten verschaffen, die euch noch nicht kennen. Ist es euch gelungen, eine Person als Mikro-Influencer*in zu gewinnen, die euer Anliegen teilt und darüber einen zustimmenden Beitrag postet, verschafft euch das positive Urteil ein besseres Standing zum Einstieg.

Am Anfang ist es ein nicht zu unterschätzender Aufwand, die zu eurer Organisation passenden Mikro-Influencer*innen zu finden. Die erreichen aber weitere Follower mit relevanter Reichweite und so könnt ihr euch nach dem Schneeballprinzip ein nachhaltiges Netzwerk aufbauen.

Wie starten?

Während Unternehmen zur Vermittlung von Mikro-Influencer*innen Agenturen nutzen, haben Non-Profits dafür häufig keine Budgets. Vor allem aber sucht ihr Leute, die euch unterstützen, weil sie euer Anliegen oder die Ziele eurer Kampagne teilen – und nicht, weil ihr sie bezahlt. Ihr könnt euch mal die Profile eurer schon bestehenden Follower anschauen und gucken, ob ihr sie auch auf Instagram findet. Möglicherweise habt ihr bereits euch wohlgesonnene Mikro-Influencer*innen in eurer Community und wisst es bloß noch gar nicht. Schaut euch dazu mal die Profile eurer aktuellen Follower an und überprüft, ob ihr sie auch auf Instagram findet. Durch Social Media Mitmachaktionen könnt ihr Unterstützer*innen entdecken, die bereit sind, über ein gelegentliches Liken oder Teilen hinaus mit euren Beiträgen zu interagieren. Eine weitere Möglichkeit ist, dass ihr alle Hashtags, die ihr selbst verwendet oder die zu euren Themen passen, auf Instagram checkt. Welche Profile posten noch zu euren Themen? Vielleicht sind ja welche dabei, mit denen eine Kooperation lohnt. Zu guter Letzt bringt es häufig schon etwas, einfach im Team über das Thema zu sprechen. Vielleicht kennt bereits jemand von euch geeignete Leute und ihr seid bisher einfach noch nicht auf die Idee gekommen, sie anzusprechen.

Macht es so einfach wie möglich

Gerade wenn es keinen persönlichen Kontakt gibt, ist für den Erfolg eurer Anfrage wichtig, dass ihr kurz und leicht verständlich erklärt, was die Mikro-Influencer*innen für euch tun können. Bietet eine reduzierte Anzahl Optionen, die mit wenig Aufwand verbunden sind. Stellt in jedem Fall heraus, dass eine Unterstützung eurem Anliegen sehr helfen würde - ihr zahlt gewissermaßen mit Anerkennung statt mit Geld. Von solchen Kooperationen können aber ohnehin beide Seiten profitieren. Nehmen wir an, ihr habt eine durchschnittliche Beitragsreichweite von 2.500 und kooperiert mit einem oder einer Mikro-Influencer*in mit einer durchschnittlichen Beitragsreichweite von 4.000. Veröffentlicht ihr nun ein Sharepic mit einem Foto und einem Statement eures neuen Unterstützenden und erwähnt dessen Accounts in dem Beitrag, kann wiederum der oder die Unterstützende ein Sharepic mit Verweis auf eure Kanäle veröffentlichen oder euren Beitrag teilen. Dadurch macht ihr gegenseitig eure Follower auf euch aufmerksam und euer Testimonial wird durch das professionelle Sharepic samt Logo einer renommierten oder aufstrebenden, politischen NGO oder sozialen Initiative aufgewertet. In diesem Fall haben alle gewonnen!

Backgroundcheck und Zeitplanung

Guckt euch die Leute genau an, mit denen ihr kooperieren möchtet und stellt sicher, dass sie zu euch passen und ihr euch nicht kurze Zeit nach der Zusammenarbeit schlimm schämen müsst. Plant auch ausreichend Vorlauf ein: Der Erfahrungsaustausch bei unserem NGO-Stammtisch hat gezeigt, dass selbst Mikro-Influencer*innen teilweise Redaktionspläne haben, die mehrere Wochen bis Monate im Voraus ausgebucht sind. Plant zudem ein, dass vielleicht nicht alles so zuverlässig und pünktlich klappt, wie vereinbart. Mit etwas Puffer in der Planung fahrt ihr immer entspannter. Achtet bei der Verwendung von Fotos auf die korrekte Nennung der Bildrechte bzw. Lizenzen und lasst euch vor Veröffentlichung der Beiträge per E-Mail bestätigen, dass alle Beteiligten einverstanden sind.

Einfach mal ausprobieren!

Ihr könnt das Thema ja mal gedanklich durchspielen. Solltet ihr festsellen, dass Mikro-Influencer*innen gut zu eurer Kommunikationsstrategie passen könnten, dann startet einfach mal einen Testlauf. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Mikro-Influencer*innen einzubinden, die Spaß machen und für Abwechslung in eurem Feed sorgen.

Wenn ihr zu dem Thema noch Fragen habt, schreibt mir gerne an henning.flaskamp@w21k.de.